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Autor: Bromm
Edmund
Reisingerstrasse 10
85737Ismaning
Datum: 11.04.05
Mauer-nicht-entfeuchtung
mittels elektropysikalischer Verfahren!
Vorab möchte ich einen aktuellen Fall schildern.
.
In nahezu betrügerischer Weise wird von einigen Herstellern
versprochen, mit sogenannten Erdstrahlablenkgeräten zum Teil
primitivster Bauart eine Trockenlegung zu erwirken.
So wurde kürzlich einer älteren Hausbesitzerin in München
mit 83 Jahren erklärt, dass durch das Aufstellen eines solchen
"Entfeuchtungsgerät" die Trockenlegung ihrer Fassade und des
Kellers erfolge. Dafür wurden dieser Frau "nur" 14.000 €
in Rechnung gestellt.
Um es kurz zu machen: In der Praxis funktioniert dies alles nicht.
Um so erstaunlicher ist
es, wie viel "Fachleute" auf diesen Hokuspokus immer wieder hereinfallen.
Die Werbung verspricht eine sehr "umweltfreundliche und schonende"
Sanierungsmethode ohne Lärm; ohne Aufgraben usw..
Viele Hausbesitzer haben Angst, dass bei einer Trockenlegung ihr
Haus "Schaden" erleidet.
Deswegen haben es manche Firmen leicht, ihre "mauerwerksschonenden",
jedoch auch fragwürdigen Verfahren anzubieten. Die Werbung
sagt aus: ohne Schmutz; kein Lärm und auch das Aufgraben ist
nicht notwendig.
Es fällt auf, dass insbesondere die Anbieter von elektrophysikalischen
Verfahren mit zweifelhaften Argumenten sehr aggressiv im Wettbewerb
auftreten. Diese sind sehr geschickt darin, die jeweils anderen
Verfahren schlecht zu machen.
Man brauche sich nur die Prospekte und Homepages dieser Anbieter
anzusehen, die die sogenannte schonende Mauerwerkstrockenlegung
verkaufen. Fast alle Anbieter haben Hinweise darauf, dass die jeweils
andere "Seite" viele Fehler und Mängel hat und zu Schäden
führt.
Sie scheuen sich nicht Vergleiche anzustellen, zum Teil werden Bilder
gezeigt (z.B. Ziegelsteine die aus einem Sockel ausgebrochen sind
etc.), die sehr spektakulär aussehen. Jedoch fehlt es immer
an Fachargumenten.
Es handelt sich um eine Verfahrensvariante, die immer wieder in
mehr oder weniger modifizierter Weise auftaucht, nämlich um
die "Trockenlegungsart" mittels "Elektro-Osmose" oder anderer elektrophysikalischer
Methoden. Dabei soll mittels elektrischer Energie das Wasser in
das Erdreich zurückgedrängt werden.
Es sind viele Parameter entschlüsselt, die "Saugfähigkeit"
der meisten Baustoffe ist gut erforscht. Diese Saugfähigkeit
ergibt sich aus den Parametern:
· Anzahl und Verzweigung der Kapillaren
· Durchmesser, nach Größe und Häufigkeit
eingeteilt
· Oberflächenbenetzung dieser Kapillaren
Weitere Fakten sind bekannt.
Aus praktischen Versuchen lässt sich ermitteln, in welcher
Zeiteinheit wie viel Liter Wasser "aufgesaugt" werden kann. All
das sind klassische physikalische Werte.
Die Ergebnisse haben für jedermann Gültigkeit
und sind nachvollziehbar. Praktische Versuche von Fachleuten
bestätigen diese Ergebnisse eindeutig. Um diese Verfahren nicht
weiter aufzuwerten, sollte vorab gesagt werden, dass diese in der
Praxis nicht funktionieren.
Durch Versuche an den Hochschulen in Delft, (NL) sowie an der E.T.H.
in Lausanne und Zürich (CH) wurde genau ermittelt, in welcher
Zeit, wie viel Liter Wasser "aufgesaugt" werden, und außerdem,
wie hoch dann diese Feuchtigkeit "aufsteigen" kann.
Wird nun diese Saugfähigkeit ermittelt, ergibt sich aus den
vorgenannten Fakten rein rechnerisch eine Saugspannung von plus/minus
60 Volt. Jetzt kann man sich im Einzelfall darüber streiten,
ob nun 30 oder besser 90 Volt richtig sind. Jedoch auch einem Laien
wird klar, dass eine größere Kraft aufgewendet werden
muss, als die der Saugfähigkeit.
Eine andere Untersuchung der Universität in Wien kommt zum
Ergebnis, dass die Leistung des Saugens ca. fünfzehn Meter
beträgt und bei Anlegen einer Feldstärke von zweihundert
Volt pro Meter nur eine Beeinflussung von zehn Zentimetern möglich
ist.
Es ist somit absoluter Nonsens, mit irgendeinem elektrophysikalischen
Verfahren, dessen Spannung z.B. 5-10 Volt geringer ist als die der
Saugfähigkeit, einen signifikanten Effekt erreichen zu wollen.
So gibt es noch andere bekannte Größen, die eine Funktion
verhindern z. B. das Zetapotential. Es ist dies der Effekt, der
dadurch entsteht, dass eine Ladungstrennung an den Kapillaroberflächen
stattfindet, sobald Flüssigkeit in einer Kapillare transportiert
wird. Dabei sind die Effekte des Saugens bei Ziegel und Kalkmörtel
unterschiedlich zu bewerten, weil diese in einem umgekehrten Verhältnis
(unterschiedliche Potentiale) zueinander stehen.
Eine weitere Problematik ergibt sich aus dem bekannten Effekt, dass
Wasser bei Anlegen von Spannungen von über 1,3 Volt zersetzt
wird. Dabei kommt es zu einer Aufspaltung: an der Anode entsteht
nasszierender Sauerstoff (sehr aggressiv), deswegen kommt es auch
sofort zu einer Korrosion der Elektroden und an der Kathode wird
Wasserstoff ( ab 4% = Knallgas) erzeugt.
Nun gibt es einige Sicherheitsbestimmungen, die auch am Bau einzuhalten
sind, weil bei der Zersetzung von Wasser auch Wasserstoff entsteht.
Dieses Gas ist leichter als Luft. Es müsste dafür gesorgt
werden, dass diese Räume ausreichend be - und entlüftet
werden. Diese Anlagen unterliegen auch den Bestimmungen der VDE-Vorschriften.
All das sind klassische, physikalische Werte. Die Ergebnisse sind
verbindlich und nachvollziehbar. Von anerkannten Fachleuten durchgeführte
Kontrolltests bestätigen diese Ergebnisse eindeutig.
Die "Saugfähigkeit" muss immer erst überwunden werden!
Von keinem der Anbieter die sich mit irgendwelchen "Zauberkästchen"
auf dem Markt tummeln, die Frage beantwortet: nämlich welche
Vorgänge und Phänomene oder welche Naturgesetze für
die beschriebene Funktion verantwortlich sind.
Es ist falsch, eine wissenschaftliche Versuchsanordnung von Reuss
(einem anerkannten Physiker der vor 200 Jahren experimentierte)
für einen Beweis der Funktionsfähigkeit dafür herzunehmen.
Dieser hat Wasser, im Labor in einem Glasrohr (und einiger Besonderheiten)
durch Anlegen einer bestimmten Spannung und Elektroden, von a (Anode)
nach b (Kathode) transportiert.
Es ist zwar richtig, dass dieses Experiment funktioniert.
Es ist jedoch falsch, daraus abzuleiten, dass bei einem anderen
Material als dem im Experiment erwähnten, oder bei unterschiedlichen
Baustoffen (zum Teil auch versalzen) und mit unterschiedlich elektrischer
Leitfähigkeit, dieses Experiment in die Praxis der Mauertrockenlegung
zu übertragen ist.
Neue Forschungsergebnisse liegen vor
Sehr interessante Ergebnisse wurden von der Akademie Esslingen in
Zusammenarbeit mit der *WTA. - Wissenschaftlich- Technische Arbeitsgemeinschaft
für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege im Dezember 1999 vorgestellt.
Eine Zusammenfassung ist in der Buchreihe "*Werkstoffwissenschaften
und Bauwerkinstandsetzen, Band V, erschienen. Insbesondere die Forschungsergebnisse
der Professoren Schaubke und Schneider, beide TU Wien, sollten endlich
den unsachlichen Behauptungen ein Ende bereiten. Diese Arbeiten
schließen nahtlos an die Versuche und die Ergebnisse der ETH.
in Zürich und der Hochschule in Delft an.
Es gibt keinen Anbieter, der wissenschaftlich beschreibt, wie sein
System funktioniert.
Papier ist sehr geduldig! Was diese Vertreiber besonders gut können,
ist immer darauf zu verweisen, dass viele Objekte, meist wird von
Tausenden gesprochen "erfolgreich" saniert wurden. Kein Mensch macht
sich die Mühe zu prüfen, ob all diese Angaben auch stimmen.
Fachleute werden oft zitiert, die zwar nie behauptet haben, dass
elektrophysikalische Verfahren funktionieren, jedoch, dass die CM-
Methode, nämlich das Überprüfen von Feuchte in einem
Baustoff ein anerkanntes System ist. Damit soll suggeriert werden,
"wir" scheuen uns nicht auch anerkannte Fachleute mit einzubeziehen.
Feuchtemessungen sind zwar wichtig, jedoch sollte auch "richtig"
bewertet werden.
Auch einem Laien ist klar, dass zu unterschiedlichen Zeiten eine
unterschiedliche Feuchte gemessen werden kann. Sowohl die Jahreszeit
wie auch die Luftfeuchte sind, neben vielen anderen Faktoren entscheidend.
Eine Feuchteangabe sagt jedoch nichts über deren Ursache aus.
Handelt es sich dabei um Kondenswasser oder kapillare Saugfähigkeit?
Außerdem fehlen meist Angaben über den Istzustand ( in
der Regel wird keine vernünftige und aussagekräftige Bauzustandsanalyse
erstellt) bevor eine Instandsetzung durchgeführt wurde. Womit
sollte also verglichen werden?
Was hilft eine Patentanmeldung?
Völlig falsch ist es natürlich, wenn behauptet wird, dass
ein Verfahren nur deswegen funktioniert, weil es zum Patent angemeldet
wurde. Auch wenn eine Patenterteilung erfolgte, so ist damit nicht
ausdrücklich bewertet, ob ein Verfahren auch zum Erfolg führt,
sondern nur, dass es sich um etwas Neues (noch nicht auf dem Markt)
handelt.
Noch ein Praxisbeispiel:
Vor kurzem wurde in Landshut (also ein Jahr vor der 800 Jahrfeier)
einer Fa. die sich mit elektroosmotischen "Trockenlegungsmaßnahmen"
beschäftigt erlaubt an mehreren Objekten so eine Anlage einzubauen.
Es wurde auch in der Presse darüber berichtet.
Darauf hin haben sich einige Wettbewerber beschwert und einen Sachverständigen
eingeschaltet.
Der Gipfel der Unverfrorenheit ist jedoch, dass bei dieser
Auseinandersetzung zwischen einem Sachverständigen (der mich
dazugezogen hatte) und der Städtischen Behörde sowie dem
Geschäftsführer des deutschen Holz- und Bautenschutzes
von einem Hersteller unter anderem behauptet wurde, dass die Lehr-
und Versuchsanstalt Villach dieses Verfahren ständig wissenschaftlich
überprüft und für gut befunden hat.
Es war für mich unvorstellbar, dass diese Angaben korrekt sein
konnten.
Ich recherchierte in dieser Angelegenheit weiter und konnte mich
nur wundern wie viel Verlogenheit auf einem Blatt Papier möglich
ist. Als ich den zuständigen Mitarbeiter – einen Professor
- erreichte und diesen zur Rede stellte, dass ein anerkanntes öffentliches
Institut (vergleichbar mit unserer Bundesanstalt für Materialprüfung)
sich so einen Fehler erlaube, bekam ich zu hören, dass gegen
diese Firma bereits Strafanzeige erstattet wurde. Seit ich den Sachverhalt
den Verantwortlichen der Stadtverwaltung vorgetragen habe herrscht
Funksstille.
Dies wirkt deswegen so schwer weil, wenn ein Hausbesitzer oder Immobilienverwalter
davon hört, dass sogar die Stadtverwaltung ihre Objekte mit
solchen Verfahren "trockenlegen" lässt, viele ohne weitere
Prüfungen, auch auf solche untauglichen Verfahren hereinfallen.
Das Vorgenannte ist nur deshalb ausführlicher beschrieben,
damit auch der auf dem Gebiet der Elektrophysik weniger Versierte
versteht, dass nicht jeder, der sich als Spezialist ausgibt, auch
wirklich sein Handwerk versteht.
All dies interessiert die Vertreiber solcher Anlagen offenbar nicht.
Sie verweisen stets auf bisher so erfolgversprechende praktische
Ergebnisse. Jedoch keine Patentanmeldung, auch keine goldene Erfindermedaille
von der Messegesellschaft "X" und erst recht kein Referenzschreiben
des Herrn Pfarrer "Y" aus "Z" kann diese Fakten aus der Welt schaffen.
Ebenso wenig hilft eine schöne Urkunde mit einer sehr langen
Gewährleistungszeit.
Viele Firmen sind sich ihrer unlauteren Machenschaften sehr wohl
bewusst und profitieren nur von der mangelnden Sachkenntnis der
meisten Hausbesitzer.
Resümee
Fakt ist, dass es einige Phänomene gibt, die sehr komplex sind
und dadurch von der Wissenschaft nicht immer und exakt im Zusammenwirken
vorhersehbar sind.
Fest steht jedoch, dass die Baustoffe und die daraus resultierenden
Gesetzmäßigkeiten, insbesondere die Saugfähigkeit;
Oberflächenbenetzungen und die kapillaren Kräfte, sehr
gut erforscht sind. Und nur wenn es gelingt, dieses Saugverhalten
zu unterbinden, kann man von einem brauchbaren und für die
Praxis tauglichem Verfahren sprechen.
Fachleute diskutieren nicht kontrovers, sondern sie sind sich einig,
dass es sich bei den elektrophysikalischen Verfahren um ungeeignete
Verfahren für die Praxis der Mauertrockenlegung handelt.
Seit über 35 Jahren beschäftige ich mich mit der Bauinstandsetzung.
Ich arbeite viel mit Praktikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern,
außerdem mit namhaften Materialherstellern eng zusammen.
Niemand zwingt mich ein bestimmtes Produkt zu verwenden. Ich habe
keine Verträge mit irgendwelchen Firmen, um daraus eine Abhängigkeit
abzuleiten oder ein bestimmtes Produkt oder Verfahren verwenden
zu müssen.
Alle meine Entscheidungen bei der Instandsetzung feuchter Gebäude
werden ausschließlich nach "Denk-mal-pflegerischen" und wirtschaftlichen
Kriterien sowie unter den Gesichtspunkten der Ökonomie und
der Ökologie festgelegt.
Ich gebe zu, einige Jahre an solche Verfahren geglaubt zu haben.
Die meisten der so bearbeiteten Objekte sind jedoch in einem schlechten
Zustand und nicht "trocken".
Es hat viel Zeit, Kraft und Geld gekostet herauszufinden, welche
Ursachen dies hat. Wenn ein Gebäude nach einer Instandsetzung
z. B. mit Sanierputz neu verputzt wird, dauert es viele Jahre, um
den Erfolg - oder den Misserfolg zu entdecken.
* Werkstoffwissenschaften und Bauwerkinstandsetzen, Band V, ist
erschienen Aedificatio Verlag
Wintererstr. 78
79104 Freiburg i. Br.
Schuld ist auch, weil
öffentliche Auftraggeber,
obwohl sie dies nicht
dürften
ihre Gebäude solchen
Firmen zur Verfügung stellen.
Was sollte ein unbedarfter Hausbesitzer denken,
wenn sogar die Behörden
solchen Unfug zulassen.
Edmund Bromm
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